Punkt 10 - Umgebindehäuser

Umgebindehäuser

Die UMGEBINDEBAUWEISE war ehemals weit verbreitet. Heute sind UMGEBINDEHÄUSER nur noch im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien in großer Zahl erhalten und prägender Bestandteil vieler Orte. „UMBINDEN" bedeutet, dass eine tragende Stützkonstruktion eine dahinterliegende, sich selbst tragende Konstruktion, meistens eine gezimmerte Block- oder Bohlenstube, umschließt. Die Umgebindekonstruktion trägt im Bereich der Stube(n) die Lasten des Obergeschosses bzw. Oberstockes und/oder des Daches. Sie besteht aus Säulen, Spannriegeln und aussteifenden Kopfbändern bzw. Knaggen und wird unter dem Rähm, das über allen Hausteilen des Erdgeschosses wie ein Ringanker verläuft, errichtet. Die Holzverbindungen sind mit Holznägeln gesichert. Die Säulen stehen meist auf einem Natursteinsockel.

Das Umgebindehaus gehört zum Typ des Ernhauses - ein im Grundriss langgestrecktes Wohn-Stall-Haus. Der Hauszugang liegt etwa mittig an der langen Traufseite und führt in den zentralen Hausflur, der ursprünglich zugleich Herd- und somit Kochraum war. Auf der einen Seite grenzt die beheizte (rauchfreie) Wohnstube an den Flur. Auf der anderen Seite schließt sich der, meistens aus Natursteinen gemauerte und mit Gewölben überdeckte Wirtschaftsteil an (Stall, Speicher). Beim Doppelstubenhaus ersetzt eine zweite Stube den Wirtschaftsteil, etwa als Ausgedingestube oder als Werkraum für den Handwerker.

Zur Entstehung der Bauweise gibt es unterschiedliche Auffassungen: Wurden in die ursprünglich nicht unterteilten „Behausungen" mit offener Feuerstelle rauchfreie Stuben hineingebaut und die davorliegenden Außenwände auf eine statisch notwendige Stützkonstruktion reduziert? War es die Kombination traditioneller Bauweisen: des Blockbaus der Ansässigen und des Fachwerkbaus der Neusiedler, der holzsparender war und Mehrstöckigkeit zuließ?

Sicher ist, dass in allen waldreichen Gegenden mit kontinentalem Klima „warme" Blockstuben für den Aufenthalt gezimmert wurden. Und das Umbinden der Blockstube ist aufgrund des unterschiedlichen Schwindens des Holzes statisch notwendig. Holz trocknet (und quillt) parallel zur Faser etwa zehn- bis fünfzehnmal mehr als senkrecht zur Faser. Die „stehende" Umgebindekonstruktion macht somit das gesamte restliche Hausgefüge unabhängig vom Schwinden und Quellen der liegend verarbeiteten Hölzer der Blockstube, da alle Lasten aus darüber liegenden Bauteilen vom Umgebinde getragen werden und die erheblichen Höhenänderungen der Stube nicht zu Deformationen im Hausgefüge führten.

Über die Jahrhunderte wurde das Umgebinde immer mehr verfeinert und durch Kerbung oder Profilierung geschmückt. Ein schönes Element vieler Umgebindehäuser ist der aus Naturstein gefertigte Türstock, meist mit der Jahreszahl der Erbauung und den Initialen des Bauherrn versehen. Typisch sind außerdem die schmuckvollen Fensterumrahmungen sowie Holzschalungen am Obergeschoss und/oder Giebel (besonders gestaltet als Oberlausitzer Verschlag) und gemusterte Schieferwandbehänge. Vereinzelt sind Sonnen (strahlenförmige Holzverschläge am Giebel), Blitzschlangen und Sonnenuhren anzutreffen. Wurden solche Elemente besonders kunstvoll verziert gearbeitet, gaben sie oft Auskunft über den gesellschaftlichen Stand des Besitzers.

In Schirgiswalde gibt es (Stand 2017) 72 Umgebindehäuser, Mit viel Engagement eines gemeinnützigen Vereins wird das vom Abbruch bedrohte DOPPELSTUBENUMGEBINDEHAUS Rämischstraße 23 (dendrochronologisch datiert auf 1772) seit 2017 instand gesetzt und künftig öffentlich zugänglich gemacht. Dort erfahren Sie alles Wissenswerte zur Vielfalt der Umgebindebauweise.

(Text: Kerstin Richter, Weifa)

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