Punkt 8 - Thürmchen

Thürmchen

Dieses attraktive Gebäude mit Mittelrisalit und Dreiecksgiebel, dem sechseckigen Türmchen mit den sechs schmalen, hohen, rundbogigen Fenstern, ist wohl jedem Schirgiswalder bekannt, zählt es doch zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Es wurde um 1740 als Vorwerk und Fremdenhaus für den domstiftlichen Oberen Hof errichtet. Wieviele Menschen mögen wohl schon über die ausgetretenen Granitstufen durch das schöne Korbbogenportal - unter der Nische mit der Marienfigur hindurch - das „Thürml“ betreten haben, um in gemütlicher Stammtischrunde Hainspacher Bier zu trinken, das mit eigenem Brunnenwasser gekühlt war?

Der Hof des „Thürmchens“ mit seiner umlaufenden Holzgalerie war früher einer der romantischsten Winkel in Schirgiswalde. 2002 wurde er vom jetzigen Besitzer überdacht und so zu einem originellen Raum für Feierlichkeiten aller Art.

Die genaue Chronik lässt sich bis Mitte des 18. Jh. zurückverfolgen und beruht auf einer handgeschriebenen Gedenkschrift, die 1877 in der Kuppel des Thürmchens entdeckt wurde. Demnach verkaufte der Richter Zacharias Wenzelslaus das Grundstück 1772 seinem Schwiegersohn für 200 meißnische Thaler, woraufhin mehrere Besitzerwechsel folgten.

1864 wurden Bernhard Mildner und später seine Tochter Theresia Besitzer von Haus und Grundstück. Der erste Pächter fand sich 1877 mit Adolf Brendler. Der Kaplan und späterer Hofprediger nutzte das „Thürmchen“ für den Katholischen Gesellenverein von Schirgiswalde. In der Geschichte tauchen immer wieder zahlreiche Vereine auf, die hier beheimatet waren.

Ab 1886 bewirtschaftete das Ehepaar Benno und Marie Mannheim das Haus über 60 Jahre lang und hieß in dieser Zeit viele Bischöfe und hohe Geistliche in ihren Räumen willkommen. Sogar Prinz Johann Georg zu Sachsen, Bruder des letzten Königs Friedrich August von Sachsen, besuchte das „Thürmchen“ 1897 während seiner Manöverzeit. Unter der Familie Mannheim fanden auf dem Gelände und im Haus zahlreiche Veränderungen statt. Benno ließ für seine Frau ein Waschhaus im hinteren Garten errichten, verschönerte den Gästegarten mit Weinstock, Spaliersträuchern, Blumenbeeten, Lauben und modernen Gartenmöbeln und verlegte elektrisches Licht und Klingel im ganzen Haus, dem Hof und im Saal.

1917 starb Benno und hinterließ das Gasthaus seiner Frau Marie, die von allen immer liebevoll „Thürmel-Mutter“ genannt wurde. Mutter und Tochter führten das Geschäft bis 1932 weiter, ab 1937 übernahm Bennos Schwester Marie. Als der Hohbergbach vor dem Thürmchen kanalisiert wurde, wurde der Platz „Marienplatz“ genannt, vielleicht nach den beiden „Marien“, die hier im Thürmchen lebten.

Weiterer Eigentümer wurde später Familie Pacher. Sie gab das Geschäft jedoch schnell auf und es ging an die VEB Förderanlagen Magdeburg über, wodurch es zu DDR-Zeiten als Betriebs-Ferienheim genutzt wurde. Zu dieser Zeit wurde die historische Stallung abgerissen, um ein Bettenhaus zu bauen. Durch die Wende 1989 wurde dieses Vorhaben jedoch gestoppt.

1992 kaufte Familie Wolfgang Schulze das Thürmchen und eröffnete ihr Geschäft 1993. Weitere Umbauten, gastronomisches Geschick und viel Fleiß machten das alte Haus wieder zu einem beliebten gastlichen Ort, nun erfolgreich als Landhotel weitergeführt von Sohn Matthias.

Sage zum Thürmchen

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Landhotel Thürmchen