Punkt 6 - Der Oberhof von Schirgiswalde

Der Oberhof von Schirgiswalde

Der Oberhof war neben dem Niederhof das zweite Herrschaftsgebiet im Gebiet der frühen Stadtgemeinde. Die Entstehung des ursprünglichen „Vorwerks gegen Wilthen" liegt etwa Mitte des 14. Jh. Über lange Zeit war die Familie von Luttitz der Besitzer des Hofes. 1472 änderte sich die Bezeichnung zum Oberhof.

1628 kaufte das katholische Domstift St. Petri zu Bautzen den Oberhof. Das Herrenhaus oder Schloss des Hofes diente nun den Bautzener Domdekanen als Quartier des Grundherrn. Die späteren Bischöfe gestalteten es zur bischöflichen Sommerresidenz um. Bischof Ignaz Bernhard Mauermann ließ 1833 den Schlosspark und eine Orangerie anlegen. Diese und das von ihm im orientalischen Stil errichtete dritte Stockwerk des Hauses wurden nach seinem Tod wieder abgerissen. Bereits um 1830 hatte Bischof Mauermann zwei Räume des Obergeschosses mit wertvollen handbedruckten Panoramatapeten aus Manufakturen in Rixheim im Elsaß bzw. Paris ausgestattet.

Am 4. Juli 1845 fand in diesen Räumen die feierliche Übergabe Schirgiswaldes von Österreich an das Königreich Sachsen statt.

Im Haus hatten zusätzlich, teilweise gleichzeitig, mehrere Institutionen ihren Sitz: Von 1923 bis 1970 eine Schwesternstation für ambulante Krankenpflege der Borromäerinnen von Trebnitz, von 1959 bis 1970 ein Seminar für kirchenmusikalischen Dienst in der DDR. Seit dieser Zeit trug das Schloss den Namen St. Pius-Haus. Im Erdgeschoss wurde damals eine moderne Kapelle eingerichtet. Von 1972 bis nach 1982 war das Schloss Heimstatt für das Marienheim der katholischen Fürsorge für Mädchen, Frauen und Kinder und von 1972 bis 2006 des Kindergartens der katholischen Pfarrgemeinde. 2019 verkaufte das Domstift das Schloss und große Teile des Schlossparks.

Das gegenüberstehende Gebäude beherbergte lange Zeit Wohnungen und früher auch Stallungen sowie die domstiftliche Forstverwaltung, danach in deren Räumen zeitweilig auch einen Teil des Kindergartens.

Der zur Bahnhofstraße gelegene Teil des Gebäudes mit den ehemaligen Stallungen wurde Ende der 1980er Jahre abgerissen und Mitte der 1990er Jahre als modernes Wohnhaus wieder aufgebaut. Der Teil der Forstverwaltung wurde 2012 abgerissen.

Die sogenannte Hofescheune, parallel zur Bahnhofstraße stehend, wurde im 20. Jh. als Lager- und Betriebsraum von verschiedenen Firmen genutzt. Am 5. Juli 1957 brannte die Scheune bis auf die Grundmauern nieder. Nach Wiederaufbau und Nutzung durch die kirchliche Land- und Forstwirtschaft wurde sie 2005/2006 zum katholischen Kinderhaus St. Antonius umgebaut.

Das Scheunen-Torhaus beherbergte früher im Dachbereich zwei Wohnungen und im nördlichen Teil kleine Handwerksbetriebe, zuletzt die Firma Benkewitz. Am 11. 09. 2021 brannte der südliche Teil der Scheune mit dem Torbogen ab.

(Text: Konrad Thomas)

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Zahnarzt Dipl.-Stom. Jan Kuntzsch